Ligurische Grenzkammstraße Nord (LGKS NORD)

Heute wollten wir direkt den nördlichen Abschnitt der LGKS angehen. René und Carsten sind mit ihren Frauen und der Kleinen in einer anderen Pension abgestiegen, weil es dort kinderfreundlicher ist. Wir müssen uns also morgens immer irgendwo treffen. Heute werden wir bei unserem B&B abgeholt und los geht die erste Fahrt. Mein Plan ist eigentlich durch den Tende Tunnel und dann von der Südrampe den Col de Tende rauf zum Fort Central zu fahren. Carsten hat uns jedoch umgestimmt und wir zuppeln vorm Tunnel den nördlichen Pass rauf, was im Nachhinein eine gute Entscheidung war, denn der Tende-Pass ist mittlerweile gesperrt. Schade, das wäre ein schöner Einstieg gewesen.

KLX250S CRF250L Col de Tende Fort Central
KLX250S CRF250L Col de Tende Fort Central

Am Fort angekommen genießen wir die Aussicht und schauen uns etwas um. Für Vicky und Carsten ist das alles neu hier und die beiden sind beeindruckt von den alten riesigen Anlagen und davon, dass man hier einfach mit dem Mopped überall herum fahren darf. Ich übernehme die Führung und lotse die Gruppe auf die LGKS Richtung Süden. Diesmal navigiere ich wieder mit meinem Smartphone. Mit dem Garmin stehe ich ehrlich gesagt ziemlich auf Kriegsfuß und empfinde es als nicht besonders bedienerfreundlich.


Auf dem Handy habe ich die App Locus installiert, mit der man die benötigten Kartenausschnitte direkt übers WLAN laden kann und so auch offline verfügbar macht. Das Tool ist wirklich sehr mächtig und lässt keine Wünsche offen. Wir folgen dem importierten Track der LGKS. Da wir noch relativ früh im Jahr hier sind, gibt es doch noch erhebliche Schneemengen, wie wir eindrucksvoll feststellen können.

Es ist schon beeindruckend, welche Schneemassen hier immer noch vorhanden sind. Langsam beschleicht mich dass Gefühl, dass wir vielleicht 2-3 Wochen später hätten herkommen sollen. Aber anders war es halt nicht zu machen und aufregend ist es ja auch, mit dem Schnee. Wir fahren weiter und genießen die Landschaft. An besonders imposanten Stellen halten wir immer wieder an und machen Bilder. Obwohl ich ja schon einmal hier war, kann ich nicht genug davon bekommen. Ich glaube ich könnte hier jedes Jahr eine Woche Urlaub machen und es würde kaum langweilig werden.

Doch was ist das? Kurz nach der berühmten Passage, der Kehre am Col de la Boaire fahren wir auf ein ziemlich großes Schneefeld zu. René und ich beschließen, dass wir uns davon nicht aufhalten lassen wollen. René versucht es als erstes mit seiner XT550. Wenn wir die da durch wuchten können, schaffen wir es mit den leichten 250ern spielend. Das erste Schneefeld schaffen wir noch mit Mühe und Not. Was wir zunächst jedoch nicht sehen, ist das Nächste, direkt in einer Kurve neben einem steileren Abhang. Zu riskant. Wir geben auf und quälen uns gut dabei ab, die alte XT wieder durch das Schneefeld bergauf zu bugsieren. Nen TKC80 ist halt auch kein echter Geländereifen, René! Oben angekommen sind wir beide schon etwas erschöpft. Wir ruhen uns aus und fahren anschließend langsam zurück Richtung der Forts.

Wir sind etwas enttäuscht, weil wir gerne im Rifugio Don Barbera einkehren und uns stärken wollten. Beim letzten Mal hatten wir dort nicht angehalten und wollten das dieses Jahr unbedingt nachholen. Naja, dann müssen wir halt an einem der nächsten Tage von La Brigue aus den nördlichen Teil der LGKS nordwärts fahren. Vielleicht schaffen wir es ja sogar bis zu eben jenem Schneefeld, das und das Weiterkommen verhindert hat.


Wir machen am Fort Trabourde Mittagspause und lassen den Blick schweifen. Von hier aus hat man eine super Aussicht auf das Fort Central und die Südrampe des Colle di Tenda.

Wir wollen uns noch ein weiteres Fort hier oben ansehen, das Fort Marguerie. Da folgt gleich die nächste Aufregung: Auf dem Weg dorthin geraten wir in eine Horde Kühe. Es scheint gerade Almauftrieb zu sein oder die Hirten führen die Tiere auf eine andere "Weide". Es ist echt ein mulmiges Gefühl, wenn man sich wenige Zentimeter an den Hörnern der großen aber freundlichen Tiere vorbeimogelt. Man hofft immer, dass sich keines der Tiere erschrickt oder einen schlechten Tag hat. Vicky beweist hier eindeutig Coolness! Das Bild, das ein paar Wanderer über uns auf einer Klippe von ihr mit ihrer grünen KLX inmitten der weißen Kühe gemacht haben, hätte ich auch gerne bekommen. Bei der nächsten Gelegenheit halten wir aber doch lieber an und warten, bis alle Tiere vorbei sind.

Fort Marguerie ist eigentlich das schönste und beeindruckendste Fort hier oben. Es ist noch recht gut erhalten und man kann darin herumlaufen oder versuchen "aufs Dach" zu gelangen, von wo aus man eine tolle Aussicht hat. René und ich hatten unseren gruseligen Spaß hier. Außerdem gibt es direkt daneben einen netten kleinen Steilhang zum Übern. Perfekt für Vicky.

CRF250L KLX250S Fort Marguerie LGKS
CRF250L KLX250S Fort Marguerie LGKS

Wir fahren noch etwas weiter und zweigen am Baisse de Peyrefique einen kleinen Weg nach Nordwesten ab, der uns nach Casterino führen soll. Nach ein paar hundert Metern ist aber auch hier Schluss, da hier ein großes Schneefeld am Hang gesprengt wurde und somit kontrolliert abgerutscht ist. Ich habe noch versucht, mit meiner 250er da durch zu kommen aber das war schon mehr als grenzwertig und wir haben auch diese Aktion abgebrochen.