Ligurische Grenzkammstraße Süd (LGKS Süd)

Heute ist wieder ein absoluter Traumtag. Die Sonne scheint aus allen Luken und der Himmel ist blau - was will man mehr. Wir müssen also quasi heute zu Ende bringen, was uns gestern nicht ganz gelungen ist. Wir wollen also den Einstieg bei La Brigue nehmen und der LGKS so weit nach Norden folgen, dass wir, wenn möglich, ans Schneefeld kommen, welches uns gestern den Weg versperrt hat. 


Der Einstieg ist schnell gefunden, da wir uns ja schon auskennen. Auf der LGKS angekommen, erreichen wir jedoch schnell ein Sperrzeichen, an das wir uns nach den gestrigen Erfahrungen ausnahmsweise auch halten. Ist ja auch nicht so schlimm, da wir ja einfach umdrehen und den südlichen Abschnitt angehen können. Dieser ist glücklicherweise frei.

Der südliche Abschnitt ist eigentlich ganz anders als der nördliche. Die Aussicht ist im Durchschnitt nicht ganz so weit und beeindruckend, dafür ist er fahrerisch fordernder. Es sind wesentlich steilere Passagen mit wirklich grobem, sehr losen Brocken dabei. Vicky meistert die Passagen wirklich meisterhaft und sturzfrei und auch Vattern schlägt sich auf seiner CRF250L super. Er lässt es etwas ruhiger angehen, dafür immer kontrolliert und sicher. René rumpelt auf seiner alten Dame sowieso völlig unbeeindruckt überall lang. Carsten hat an manchen Passagen schon etwas mit dem Gewicht seiner XT zu kämpfen.

Ich persönlich finde den südlichen Abschnitt sogar interessanter, weil er zudem mehr Abwechslung bietet. Zwischendurch kommt man auch mal durch ein Waldstück und am Ende wartet je nach eingeschlagener Route noch eine Asphaltetappe vom Feinsten. Zahllose enge Kehren winden sich langsam den Berg herunter, bis man schließlich wieder auf der "Hauptstraße" landet, die nach Italien zurückführt. Selbst diese entlang zu fahren ist wirklich sehenswert.

Vom Asphalt sind wir jedoch noch weit entfernt; jetzt wartet erst mal der heftigste Abschnitt der heutigen Etappe auf uns: Grober Schotter bis hin zu dickem losem Geröll, enge Kehren mit steilem Gefälle und natürlich wie fast immer keine Sicherung vor dem Sturz in den Abgrund... Für mich sind genau solche Stellen das Salz in der Suppe. Dafür fahren wir Schotterpisten - ein klein wenig Abenteuer gehört halt auch dazu. Also: Auf die Fußrasten, locker machen und laufen lassen.


Zur Stärkung kehren wir aber vorher in einer netten Hütte in den Bergen ein. Wir sind die einzigen Gäste und hier scheint heute nicht viel los zu sein. Wir werden sehr herzlich empfangen und obwohl die nette alte Dame kaum Englisch spricht, ist die Kommunikation kein Problem. Irgendwie geht es halt immer. Und Vicky kann wieder mit ihren Italienischkenntnissen auftrumpfen. Es gibt auch eh "nur" ein Einheitsgericht: Pasta alla Mamma. Klasse, nehmen wir! Mamma verschwindet in der Küche und kommt eine knappe halbe Stunde später mit echten italienischen Köstlichkeiten zurück. Wir haben wirklich absolut frisch gemachte, leckere Pasta vor uns stehen mit allerhand Antipasti dabei. Sowas liebe ich ja ganz besonders. Es sind die kleinen unerwarteten Erlebnisse, die das Reisen ausmachen. Genau solche Orte bleiben einem in guter Erinnerung. Wir waren in zahlreichen tollen Hotels - dennoch geraten sie doch oft in Vergessenheit. Aber solche Erlebnisse vergisst man so schnell nicht. Die gute hausgemachte Pasta der alten Dame in der spartanischen Berghütte, die leckere eisgekühlte Cola an der Tanke die plötzlich unerwartet auftaucht, die Käsespezialitäten von Felice in Borgo, zu dessen kleinen Spezialitätenladen wir eine Wegbeschreibung auf einem Stück Holz gezeichnet bekommen haben... Ich könnte die Liste noch eine Weile weiterführen.

Frisch gestärkt gehen wir den harten Abstieg an. Dieses Jahr lassen wir uns vom GPS Track leiten, das klappt ganz ausgezeichnet. Ich erinnere mich noch gut an unseren letzten Versuch hier oben, als wir alle möglichen Richtungen ausprobieren mussten, bis wir den richtigen Weg gefunden hatten.


Carsten ist von der "schlechten" Piste überhaupt nicht begeistert. Er hat noch nicht so viel Schottererfahrung und ich gebe zu, als er gefragt hat, wie denn der südliche Teil seihabe ich etwas untertrieben. Er ist auf jeden Fall ganz schön ärgerlich und fährt - eigentlich als das Schlimmste geschafft ist - voraus. Scheinbar lag da aber doch noch ein gemeiner Klumpen rum, der ihn aus dem Gleichgewicht gebracht hat und nun liegt er mit einem Bein unter dem Moped. René, der direkt dahinter fährt, kann nicht helfen. Er muss ja schließlich alles filmen... Aber Vicky spielt den Retter in dern Not und als sie Carsten endlich unter seinem Mopped befreit hat, ist seine Laune am Nullpunkt angelangt;-).

Naja, wir hatten jedenfalls auch heute unseren Spaß und es ist jedes mal wieder ein ganz besonderes Erlebnis die alten Pisten mit den Enduros zu befahren. Hoffentlich benehmen sich die Mopedfahrer anständig, so dass es noch lange möglich sein wird. Die ein oder andere Woche Urlaub kann man hier auf jeden Fall noch verbringen, ohne dass es langweilig wird. Beim nächsten mal würden wir unser Lager allerdings weiter in Richtung Assietta Kammstraße bei Oulx aufschlagen. Dort warten noch einige Pisten darauf von uns befahren zu werden.