Maira Stura: Demonte - Marmora - Valgrana - Gaiola

Heute wollen wir auf Wunsch von Carsten und René eine etwas kürzere Runde drehen. Ihre Frauen sind ja schließlich auch dabei und sie wollen am Abend gemeinsam grillen. Dafür muss natürlich auch noch eingekauft werden. Späteste Rückkehr ist auf 16:00 Uhr terminiert.


Wir beschließen also eine Runde "durch die Nachbarschaft" zu drehen. Wir nehmen den Einstieg bei Demonte und fahren in die Berge. Endurowanderern wird der Name Maira Stura wohl sofort etwas sagen. Die Routenlänge beträgt 44km. Es geht über eine schöne Bergstraße hinauf. Rechts und links des Weges luken überall Murmeltiere aus ihren Bauten und verkrümeln sich blitzartig, wenn man ihnen näher kommt. 

Bei den Koordinaten 44.381365, 7.102342 gabelt sich der Weg und wir halten uns links. Bald kommen wir an ein Schneefeld, welches jedoch kein großes Hindernis für uns darstellt.

Kurz darauf kommen wir jedoch an ein weiteres Schneefeld, welches nur eine winzig kleine Spur zum Passieren bieten würde. Diese ist jedoch so nah an einem steilen Abgrund, dass wir beschließen es an dieser Stelle gut sein zu lassen. Wir drehen um und fahren wieder der SP268 entgegen.

Wir sind wieder auf der geteerten Straße und, alle guten Dinge sind drei, wir gelangen kurz vor dem Colle Fauniera an ein wirklich mächtiges Schneefeld. Dort stehen bereits eine handvoll Enduristen und scheinen sich zu beratschlagen. Ganz links im Schneefeld scheint eine Spur getreten worden zu sein, in der Steine liegen. "Perfekt" denke ich und versuche das Schneefeld in einem Anlauf zu nehmen. Es gelingt mir auch fast bis auf zwei Meter. Ich muss etwas mit den Füßen nachhelfen, das Hinterrad dreht durch und der Schnee spritzt, als ein anderer Mopedfahrer gestikulierend und schimpfend auf mich zugestürmt kommt. Der Tscheche mit seiner hoffnungslos beladenen R1200GS Adventure scheint hier schon länger zu verweilen. Er erklärt mir, dass das seine Fahrspur sei, die ich nun ruiniert hätte. Seit Stunden stehe er hier und baue daran. Nun sei alles kaputt. Ups!

Normalerweise habe ich ja für GS Fahrer echt nichts übrig. Aber hier oben hält man zusammen. Ich erkläre ihm, dass das alles halb so wild ist und wir Enduristen alle zusammenhalten. Wir werden ihm gemeinsam helfen und seinen Panzer da drüber schubsen. Er scheint erleichtert, besteht aber darauf, als nächster an der Reihe zu sein. Mit der Kraft von 5 Helfern kriegen wir die dicke GS über das Schneefeld. Alleine hätte er es im Leben nicht geschafft. Heilfroh und wahrscheinlich auch etwas verunsichert - schließlich wissen wir nicht was uns dahinter noch so alles erwartet - packt er bei den anderen mit an. Wir bringen erst die anderen Eisenschweine drüber, dann unsere "Handgepäck-Mopeds" wie sie von der anderen Gruppe genannt werden. Bei Frau Vicky stehen plötzlich alle Kerle gleichzeitig parat und wollen anfassen. Ja, weibliche Enduristen sind rar gesät.

Der Rest des Weges ist easy befahrbar und die Aussicht auf die umliegenden Berge fantastisch. Die Straße windet sich nach dem nächsten Abzweig langsam runter ins Dorf nach Marmora. Dort ist es schon späte Mittagszeit und wir haben Hunger und Durst. Ich gehe los und schaue, ob ich für die Gruppe eine kühle Cola besorgen kann. Ich finde ein richtig schönes Restaurant. Es hat einen ruhig gelegenen, liebevoll gestalteten Hinterhof. Die anderen sind schnell davon überzeugt, dass wir hier unsere Mittagspause machen müssen. Wir machen es und gemütlich und die italienischen Muttis stehen in der Küche und zaubern ein fantastisches Mahl.

Hier haben wir wieder einmal Glück gehabt. Man muss echt immer die Augen offen halten und darf nicht zu schnell unterwegs sein, dann findet man die schönsten Plätze. Das Essen hier ist der absolute Kracher und nicht einmal teuer. Die entspannte Atmosphäre trägt ihr übriges dazu bei.


Nach dem Essen wollen wir weiter. Ich habe den Plan, die Maira Stura von der anderen Seite so weit zu fahren, dass wir - wenn möglich - an dem Schneefeld landen, was uns vorhin zum Umdrehen gezwungen hat. Alle außer Carsten sind sofort Feuer und Flamme. Er legt René jedoch nahe, dass auch er unverzüglich den Rückweg antritt, wenn er heute nicht sterben wolle. "Aha" denken wir uns, die verspätete Ankunft der beiden hat gestern wohl für ordentlich Ärger gesorgt. Wir sind froh derlei Probleme nicht zu haben und ziehen unseren Striemel ohne die beiden weiter durch. René wirkt schon arg geknickt aber Carstens Ansprache hat Wirkung hinterlassen.


Das Wetter schlägt so langsam um und je höher wir kommen, desto stärker beginnt es zu regnen. Aber das stört uns nicht weiter. Schlechtes Wetter hält uns nicht mehr ab. Zu kurz ist der Urlaub und zu außergewöhnlich die Erlebnisse, auch bei miesem Wetter.

Wir kommen an ein Schneefeld, was allerdings nicht so aussieht wie das, was und zum Umdrehen veranlasst hat. Ich gehe zu Fuß weiter und hinter der nächsten Kurve ist tatsächlich "unser" Schneefeld neben dem Abgrund. So können wir ziemlich feucht und zufrieden umdrehen, da wir ja quasi die gesamte Maira Stura befahren haben. Von Marmora aus fahren wir wieder über die SP333 Richtung Süden (von wo wir auch gekommen sind), biegen jedoch am Colle d'Esischie links ab in Richtung Pradleves, Valgrana, Cuneo.