Wandertag im Naturschutzgebiet

Nach acht Tagen auf der Enduro wollen wir uns heute endlich mal wieder etwas bewegen. Ich treibe sonst fast täglich Sport und mittlerweile fehlt mir die Bewegung. Ein paar Tage ohne sind im Urlaub nicht so wild, aber irgendwann brauche ich einfach wieder Bewegung.


Giancarlo arbeitet als Ranger im Nationalpark in der Nähe. Wir haben uns von ihm Tipps geben lassen für eine schöne Wanderung. Er hat uns die Strecke auf der Karte gezeigt und für unterwegs habe ich das Handy mit der App Locus und einer Wanderkarte dabei. Das reicht völlig und hinterher wissen wir auch genau wie weit wir gewandert sind und wie viele Höhenmeter es waren.

Wir lassen das Auto auf einem Parkplatz stehen und sofort beginnt die Wanderung. Immer bergauf an einem Bach entlang. Tolle Landschaft, Ruhe, der Kreislauf kommt in Wallung. Man tut das gut! Bald kommen wir auf eine Hochebene, auf der es eine Schafzucht gibt und auch ein Rifugio.

Am Ende der Ebene geht es richtig rauf. Kleine Pfade über grobes Geröll, steil ohne Ende. Es ist warm und das Wetter könnte besser kaum sein. Wir versuchen immer in gebührendem Abstand vor der Schulklasse zu bleiben, weil es sonst vorbei ist mit der Ruhe.

Kurz vorm Gipfel werden die Steine größer und wir gehen über ein Geröllfeld. Toll ist es hier oben.

Der Nationalpark ist wirklich schön und auch abwechslungsreich. Die Wanderung ist gar nicht mal so ohne und wir sind froh, unsere Trinkblasen in den Rucksäcken voll mitgenommen zu haben.

Der Bergsee beim Rifugio ist unglaublich blau und sieht verdammt kalt aus. Wir gehen in die urige Hütte und bestellen Polenta und eine Karaffe Rotwein. Die Polenta ist jetzt genau das richtige um die leeren Speicher wieder aufzufüllen. Sie ist frisch gekocht und schmeckt hervorragend. Die Hütte ist absolut puristisch und sehr zu empfehlen. Der Wein steigt uns ganz schön zu Kopf und lähmt unsere Beine. Naja, runter wird es schon irgendwie gehen.

Auf dem weiteren Weg überqueren wir mehrere Schneefelder, auf denen ich mich 2x ordentlich hinlege. Nix wildes, wäre aber vielleicht ohne den Wein nicht passiert.

Die alte Straße auf dem folgenden Bild ist eine alte Militärstraße und mittlerweile über 100 Jahre alt. Unglaublich, dass diese Konstruktion bis heute gehalten hat. Giancarlo hat uns berichtet, dass sie kaum instand gesetzt werden muss. Dabei sind das eigentlich nur gestapelte Steine. Und die Winter und Schneemengen hier oben sind wahrlich nicht ohne.

Der Pausentag ist auf jeden Fall jetzt schon eine richtig gute Idee gewesen. Hier oben können wir sogar eine Menge Tiere beobachten. Große Raubvögel, Gämse, Schafe, Schmetterlinge und eine Schlange haben wir bisher gesichtet.

Am meisten aber sind wir von den scheinbar unerschrockenen Steinböcken, die in einiger Entfernung vor und auf dem Weg stehen und uns garantiert schon lange wahrgenommen haben. Insgeheim lege ich mir schon einen Plan zurecht, wie ich reagiere, wenn die der Ansicht sind, dass wir in ihrem Revier nichts zu suchen haben.

Ein Glück wollten sich die Böcke nicht behaupten und haben dann doch lieber das Weite gesucht. Als wir abends Giancarlo die Bilder gezeigt haben musste er lachen. Er kennt die Böcke und tatsächlich kamen solche Situationen schon öfter vor. Einige Wanderer hätten wohl schon mit Steinen nach den Tieren geworfen.

Also eine Wanderung hier oben ist eigentlich ein Muss. Wer hier Urlaub macht und mal einen Tag was anderes machen will sollte es sich gut überlegen, hier mal rauf zu kommen. Wir werden es wieder tun!