3. Tag: Jönköping - Stockholm (445km)

Unser dritter Reisetag beginnt mit einem ganz entspannten und reichhaltigen Frühstück im Hotel. Viele Hotels in Skandinavien sind sehr modern und erinnern ein wenig an Ikea. Zu meiner Überraschung gibt es in hier Björnbärsmarmelad (schwedisch für Brombeermarmelade), was ich natürlich cool finde. Ob die Schweden wohl wissen, dass das im Deutschen recht lustig klingt (Björn = Bär)?

 

Wir machen es uns zur Gewohnheit uns beim Frühstück immer ein paar Brote oder Brötchen für den Tag zu schmieren und in Servietten eingewickelt als Reiseproviant mitzunehmen. So haben wir das Nötigste dabei und müssen uns nicht immer teures und ungesundes Fastfood reinhauen. In Norwegen wird sich später herausstellen, dass wir sehr gut mit dieser Taktik fahren, denn so schonen wir unsere Reisekasse erheblich, wir Füchse wir.

 

Die Entscheidung zur organisierten Rundreise haben wir bisher auf jeden Fall noch nicht bereut. Ist schon praktisch, wenn man sich morgens und Abends an den gedeckten Tisch setzt und sich um nichts kümmern muss. So kommen wir auch immer früh los und haben viel Zeit für die Etappen (die wir oft auch brauchen).

Wir starten heute mit dem etwa 15km nördlich gelegenen Huskvarna Museum. Wir sind nicht so unbedingt die Großstadtfans und versuchen diese eher zu meiden. Lieber schauen wir uns tolle Landschaften oder halt mal eine für uns interessante Sehenswürdigkeit, wie dieses Museum an. Leider hat das Fabrikmusuem heute eine große Veranstaltung mit geschlossener Gesellschaft. So können wir uns nur kurz auf dem Gelände umsehen. Schade, das hätte uns schon interessiert. Auf jeden Fall dürfen Motorräder direkt aufs Gelände fahren und dort kostenlos parken. Cool!

Das Gelände ist sehr schön und natürlich angelegt. Die Fabrik erzeugt ihren eigenen Strom aus einem Bachlauf, der sich hinter dem Museum in die Tiefe stürzt. Das nenne ich mal grün. Durch den kleinen Wasserfall und das zerstäubte Wasser herrscht dort ein sehr angenehmes Klima. Das Wetter ist nämlich voll auf unserer Seite und die Sonne scheint schön warm vom Himmel. Wenn wir nicht vom Fahrtwind gekühlt werden, wird's sofort schwitzig.

Wir haben eine ordentliche Etappe vor uns und entscheiden uns, auf der westlichen Seite des Vätternsees hoch zu fahren. Also müssen wir erst wieder einige Kilometer zurück durch die Stadt. Danach öffnet sich die Landschaft. Der Vätternsee ist echt beeindruckend groß, mit idyllischen Siedlungen an den Ufern - allesamt sehr gepflegt. Schweden ist ein sehr kinderfreundliches Land. Man sieht viel mehr (junge) Mütter mit kleinen Kindern unterwegs, als bei uns. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in der "Infrastruktur" wider. Hier ein Spielplatz am Vätternsee. In so einem Zustand würde er bei uns keine Woche überstehen.

Wir fahren etwa 130km entlang des Sees. An besonders schönen Stellen halten wir an und schießen Bilder. Ich befürchte, dass wir am Ende der Reise millionen Landschaftsfotos haben, die alle irgendwie ähnlich sind, da sich uns einfach immer wieder wunderschöne Anblicke bieten, die wir "mitnehmen" wollen. Beim Picknick ist dieses Foto entstanden. Auf dem Weg zum Wasser schrecke ich eine grünliche Schlange auf, die eilends vor mir flüchtet. Natur pur hier in Schweden. Ich kann mir gut vorstellen, dass Paddelurlaube hier auch ganz besonders toll sind.

Es fängt an zu Regnen. Regenkombi-Zeit. Das Wetter ist in Skandinavien sehr wechselhaft und man weiß eigentlich nie, wann der richtige Augenblick ist, sich in den Kombi zu flüchten. Diesmal hätten wir es einfach aussitzen sollen. Es hört schnell wieder auf und ein wenig halten die Textilklamotten ja auch aus.

 

Wir passieren die ersten Elch- bzw. Rentierwarnschilder. Ist wahrsacheinlich regionale Auslegungssache. Die Schilder sehen in allen skandinavischen Ländern und Finnland anders aus - die Tiere mal mehr nach Elch, mal mehr nach Rentier. Ist ja eigentlich auch egal, vorsichtig sollte man immer sein.

Wir fahren immer noch entlang des Sees und er erscheint mir tw. mehr als ein Meer, so groß ist er. Hier müsste man ein Ferienhaus haben. Eigentlich fährt man gar nicht so lange aus Deutschland hier her. Entspannen kann man sich dort auf jeden Fall hervorragend. Die Weite der Natur trägt sehr dazu bei. Ich stelle mir das ganz toll vor, mit einem eigenen Boot vor der Haustür, selbstgefangenem Fisch etc. Ich glaube ich werde das irgendwann einfach mal in einem Urlaub testen. Der Vatter macht aber auch echt 'ne gute Figur auf seiner Transalp - ob sie ihm wohl ans Herz wachsen wird? Er hat sie immerhin auch ungesehen aufgrund meiner Empfehlung gekauft.

Als wir uns Stockholm nähern, nimmt der Verkehr auf den letzten 35km rapide zu. Das macht natürlich wenig Spaß, wenn man den ganzen Tag durch tolle Landschaften gefahren ist, mit einer Strecke, die Gott sein Dank etwas kurviger und abwechslungsreicher geworden ist. 

 

Im Hotel angekommen, stellen wir unsere Mopeds nicht auf den kostenfreien Parkplatz vor dem Hotel, sondern in die Tiefgarage für 10€. Gute Entscheidung, wie sich am nächsten Morgen herausstellen wird. Wir erkunden beim Geocachen noch ein wenig die Gegend und essen lecker im Hotelrestaurant. Die Schweden stehen auf jeden Fall auf Kartoffelspalten - aber wenigstens selbst- und frischgemachte Wedges, nicht diese tiefgefrorenen. Ein Feierabendbierchen gönnen wir uns des Öfteren, so auch heute. Die Preise sind für uns Deutsche exorbitant teuer! Sieben bis acht Euro ist man schnell mal los für ein Bier.

 

Nach etwas Sport auf dem Hotelzimmer bin ich platt und haue mich aufs Ohr. Morgen schauen wir uns Stockholm an. Da muss ich fit sein.