5. Tag: Turku - Helsinki (220km)

Aus der Erfahrung der letzten Fährfahrt haben wir tatsächlich gelernt. Die "Ausschiffung" klappt reibungslos und in time. Wir haben also in Ruhe frühstücken können und waren nicht die Letzten, die den Kahn verließen. Auf finnischem Boden erwartet und trockenes aber recht kühles Wetter mit bedecktem Himmel. Nachdem wir das Navi startklar haben, fahren wir in Ruhe los Richtung Helsinki. Finnland ist anders als Schweden, das merkt man sofort. Da man auf der Landstraße 100km/h fahren darf, kommt man sogar gut voran. Aus Turku raus, erwarten uns endlose Landstraßen, die immer schöner zu fahren sind. Unterwegs entdecke ich mal wieder einen kleinen "Kumpel" von mir. Ich stehe auf diese komischen Figuren.

Die Strecke wird immer schöner und schnell merken wir, warum Finnland das Land der tausend Seen sein soll. Man hat das Gefühl eigentlich ständig an einem See entlang zu fahren. Das Navi stellt permanent blaue Kleckse dar. Und mit den ganzen Seen kommen auch ... die gefräßigen Mücken. Alle Erzählungen von den Mücken in Finnland scheinen uns nicht übertrieben zu sein. Jetzt noch ein paar Kurven und der Motorradtag wäre perfekt. Aber Kurven gibt´s hier nicht, nirgends. Haben die finnischen Motorradfahrer eigentlich andere Reifen als wir? Grip an der Flanke brauchen die echt nicht. Ein viereckiger Gummireifen würde doch glatt reichen. Der hält dann vielleicht auch länger als 8.000km.

Auf dem Weg nach Helsinki kommt uns auf den letzten 80km eine nicht enden wollende Autoschlange entgegen. Bestimmt die Hälfte der Autos zieht einen Hänger mit Utensilien für die Mittsommernacht oder einem Boot. Also flüchten auch die Finnen aus der Stadt an die Seen. Das macht sich dann insbesondere in Helsinki bemerkbar - es ist echt entspannt wenig los. Nachdem wir unser Hotel bezogen haben, ziehen wir uns bequeme Klamotten an und machen uns mit der Straßenbahn auf den Weg in die Innenstadt. Wir wollen uns Suomenlinna anschauen, eine alte Seefestung vor der Stadt. Am Hafen snacken wir eine Kleinigkeit. Ich brauche einfach echt regelmäßig Nahrung, sonst bestraft mich mein Körper mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Zur Festung, die auf vorgelagerten Inseln liegt, kommt man mit dem Boot, das anlässlich der Mittsommernacht traditionell mit Birkenzweigen geschmückt ist, toll! Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite: Sonne und knapp 25°C. Ein perfekter Tag!

Suomenlinna liegt auf vier miteinander verbundenen Inseln, wobei die beiden größeren die Hauptinseln darstellen. Die gesamte Anlage ist in einem hervorragenden Zustand und toll gepflegt. Die Leute schleppen Grillzubehör, Bier und alles, was man für ein tolles Mittsommerfest braucht auf die Inseln. Überall haben es sich kleine Gruppen gemütlich gemacht. Die schönsten Ecken der Festung finden wir auf den beiden kleineren Inseln, die wir vielleicht gar nicht unbedingt erkundet hätten - wäre da nicht das Geocachen. Ein Cache ist genau dort versteckt und so bekommen wir wieder einmal eine tolle Führung. Was für eine tolle Erfindung! Es ist mir schon oft passiert, dass ich die schönsten Stellen irgendwo durchs Geocachen entdeckt habe. Suomenlinna ist definitiv ein Besuch wert. Die Festung, die auch zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, hat uns mächtig beeindruckt.

Überall auf den Inseln entdeckt man Überbleibsel aus einer kriegerischen Zeit. Die Festung an sich wirkt aber heute sehr friedlich und anziehend. Es gibt schöne Cafés, tolle Buchten und grüne Wiesen, auf denen man es sich gemütlich machen kann. Die Leute nutzen die Festung und geben gleichzeitig auf sie acht. So etwas habe ich in Deutschland auch noch nicht gesehen. Da läge zumindest überall Müll rum und Dinge wären zerstört. Hier jedoch nicht. Eigentlich ist auch ein Nachmittag viel zu kurz um sich alles in Ruhe anzusehen; zwei Tage kann man hier schon gut verbringen.

Auf den Inseln leben noch etwa 900 Menschen. Es gibt ein paar Häuser, die mehr an eine Kommune erinnern. Dutzende Fahrräder stehen vor den Gebäuden - keines ist abgeschlossen. Braucht man hier wohl nicht. Kann man ja mal bei uns in Deutschland versuchen. So langsam plagt uns der Hunger und wir haben Kaffeedurst, also suchen wir uns ein nettes Café und gönnen uns lecker Kuchen.

Nachdem wir uns an Suomenlinna satt gesehen haben, machen wir uns langsam auf den Rückweg zum Hotel. Da es ziemlich weit außerhalb des Stadtzentrums liegt, sind wir eine gute Weile unterwegs. In der S-Bahn treffen wir die ersten Mittsommernachtsopfer, die es noch auf eigenen Beinen irgendwie nach Hause schaffen wollen. Egal ob Männlein oder Weiblein, der Suff gehört scheinbar dazu.

 

Im Hotel gönnen wir uns das wohlverdiente Abendessen, was sich allerdings als echte Geduldsprobe herausstellt. Das spanische Restaurant im Hotel ist hoffnungslos überfüllt, da den Tag nur wenige Restaurants offen hatten. Wir müssen wohl oder übel warten. Dafür ist das Essen echt lecker und auch ziemlich teuer... Ab morgen geht's nur noch Richtung Norden und das langersehnte Ziel rückt näher. Nordkapp wir kommen!!!