9. Tag: Saariselkä - Honningsvag - Nordkapp (557km)

Heute stehen wir sehr früh auf. Schließlich ist das der "große Tag" der Reise. Leider war der Schlaf gar nicht erholsam. Es ist noch sehr gewöhnungsbedürftig, dass die Sonne hier nicht unter geht und die ganze Nacht durch scheint, als wäre es hellichter Tag.

 

Nach einem super tollen und ausgiebigem Frühstück, rollen wir um 08:30h vom Hof Richtung Nordkapp. Auf dem Weg nehmen wir noch ein weiteres Highlight unserer Reise mit, den Inarisee. Dieser "See" ist der Drittgrößte Finnlands und der sechstgrößte Binnensee Europas. Insgesamt befinden sich über 3.000 Inseln in ihm. Die Landschaft und die Streckenführung entlang des Sees ist einfach nur beeindruckend und schön. Wir halten ständig an und machen Bilder. Wie sich leider später herausstellen wird, gehen die meisten Bilder, die ich auf der Reise mache verloren. (Die Spreicherkarte hatte einen Defekt. Nichtmal ein darauf spezialisiertes Unternehmen konnte sie retten.) Wir werden die Tour also irgendwann wiederholen müssen. ;-)

 

Immer Norwegen entgegen, änderte sich die Landschaft zunehmend. Die ersten Berge kommen langsam in Sicht. Gegen 11:45h tanken wir vor der Grenze noch mal voll. Die Sonne scheint und ich freue mich richtig auf Norwegen. Fasziniered: Mit der Grenzüberfahrt ändert sich schlagartig alles. Die Straße hat plötzlich Kurven, wird schmaler und das Meer lässt sich förmlich riechen. Alles wirkt gemütlicher, es gibt viel mehr Pflanzen und Blumen, dafür weniger Bäume. Und wir bekommen hier oben in Norwegen sehr viel mehr Motorradfahrer zu Gesicht. Wenig später kommen wir an unseren ersten Fjord und ein maritimes Gefühl beschleicht uns. Wir stellen die Mopeds auf einem Parkplatz ab, stärken uns und halten erst mal die Hand ins Wasser - verdammt kalt!

 

Hier beginnt die Reise für mich tatsächlich erst richtig. Der Küstenstraße folgend fahren wir Richtung Honningsvag, dem letzte Ort vor dem Nordkapp. Der Weg führt uns durch den Nordkapptunnel, für dessen einfach Befahrung pro Moped mit Fahrer gleich erst mal 70 Kronen fällig werden (10€). Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Hilft nix, wer ans Nordkapp will muss bluten. ;-) Gegen 15:30h kommen wir an unserem Hotel in Honningsvag an. Wir checken schnell ein, denn wir können es kaum erwarten, an den Ort der Träume so vieler Motorradreisenden zu gelangen, DAS NORDKAPP!

 

Die letzten 32km zum Nordkapp sind eine richtig tolle Strecke mit vielen Kurven, tollen Aussichten und einer eigentümlichen Landschaft. Auf dem Weg sehen wir auch gleich die erste Geschwindigkeitsmessung per Radarpistole - ein Glück haben wir sie früh genug entdeckt. Etwas zu schnell ist man ja sehr leicht. Besonders, wenn man endlich, nach mehreren tausend Kilometern mal wieder richtige Kurven unter den Rädern hat.


Die Zufahrt zum Parkplatz am Nordkapp lassen sich die Norweger zusätzlich gut bezahlen. Hier sind noch einmal 230 NOK fällig (ca. 30€). Na was soll´s.


Endlich da! Endlich geschafft!  Unser lang ersehntes Reiseziel.

 

Eigentlich überhaupt kein Problem, wenn das Wetter mitspielt. Und das spielt in unserem Fall bestens mit. Strahlender Sonnenschein am Nordkapp!!! Wir stellen die Mopeds zu den vielen anderen und machen uns die letzten Meter zu Fuß auf den Weg. Das Nordkapp hat schon einen ganz besonderen Reiz. Plötzlich steht man am nördlichen Ende Europas, an einer Steilküste und hat nur noch endloses Meer vor sich. Und direkt davor die Weltkugel. Jetzt müssen wir es nur noch schaffen, tolle Bilder zu machen, ohne tausend andere Leute vor der Linse zu haben. Aber auch das gelingt uns dank hilfsbereiter Gleichgesinnter. Seht selbst. Ich hätte gerne noch ein Bild von uns und den Motorrädern gehabt, leider darf man die nicht mit zur Kugel nehmen. Nachts (mit Mitternachtssonne) allerdings hat das Touristencenter geschlossen, hihi. Da keimt ein kleiner, gemeiner Gedanke in uns auf...

Im Nordkappcenter werden wir bestimmt wieder 100€ für Andenken und Postkarten los. Aber gut, das muss halt auch sein. Dafür haben die echt leckeren Cappuccino und wir können in Ruhe im Café die Portkarten schreiben. Im hiesigen Kino wird ein interessanter Film über das Nordkapp zu den verschiedenen Jahreszeiten gezeigt, den man sich gut ansehen kann. Nachdem der obligatorische Geocache geloggt ist, fahren wir zurück nach Honningsvag ins Hotel. Schließlich wollen wir ja in der Nacht nochmal wieder kommen.

 

Wir gönnen uns zur Feier des Tages ein Deluxe-Fischbuffet im Hotel. Bester Fisch, Hummerscheren, verschiedene Sorten Kaviar, Muscheln und alle möglichen weiteren Meeresschätze. Das ist das Beste, was ich bisher aus dem Meer gegessen habe. Nach dem Essen regnet es leider und es will die ganze Nacht durch nicht aufhören. Dazu kommt ein richtig heftiger Sturm auf. Hat da eine höhere Macht unser umtriebiges Vorhaben zerstört? Man weiß es nicht. Also kein Bild mit Moped vor Kugel.

 

Das Hotel und das dortige Essen sind uneingeschränkt empfehlenswert. Genauso kann ich jedem, der vielleicht noch zweifelt einen Besuch des Nordkapps empfehlen. Letztendlich ist es nur eine überteuerte Stelle an der Steilküste aber sie hat ihren eigenen Reiz und bleibt in Erinnerung. Und allein der Weg dort hin, ob durch Norwegen und Schweden oder Finnland, lohnt sich halt. Wenn man dann noch so ein Glück mit dem Wetter hat wie wir, zehrt man schon sehr davon.

 

Für uns geht ein sehr ereignisreicher Tag am nördlichsten Zipfel Europas zu Ende und selbst der Regen in der Nacht kann unsere Laune nicht trüben.